Gesundheitsbewusst

Hallo, meine Lieben!

Ich glaube, dass ich euch mal über etwas anderes als nur über Kinder und Tiere berichten muss, ich möchte euch ja nicht langweilen. Da ich aber während der Zeit, in der meine Schafe gelammt haben, hier sein wollte,  bin ich längere Zeit nicht fortgekommen.

Aber jetzt musste ich zu einer Untersuchung nach Berlin. Der Bahnverkehr ist zur Zeit stark beeinträchtigt, weil zwischen Nauen und Wittenberge die Schwellen neu verlegt werden müssen (die waren doch noch gar nicht so alt, Schlamperei). Der Schienenersatzverkehr ist auch nicht umweltfreundlicher als mein mit Autogas fahrendes Auto.

Ich setzte mich also in mein 6-Sterne-Auto und fuhr nach Berlin. Dabei mache ich es immer so, dass ich erst die A 24, dann den nördlichen Berliner Ring nehme und Pankow abfahre, die Prenzlauer Chaussee hinunter. An der Pasewalker Straße befindet sich ein Park-and-Ride-Parkplatz, dort halte ich an und nehme von da aus die S-Bahn (dumm darf man ruhig sein, man muss sich nur zu helfen wissen).

Ich habe mich mit einem Bekannten zum Mittagessen getroffen. Ich weiß, dass er ein Gesundheitsapostel ist, aber er hat sich mittlerweile zu einem Gesundheitsfanatiker weiterentwickelt. Um bei ihm Pluspunkte zu sammeln, habe ich mir einen Salat und  ein Mineralwasser bestellt, ach du liebe Zeit! Ob ich wüsste, was Kohlensäure sei und wie sie in das Mineralwasser gelange?? Während seines Vortrages über dieses Thema starrte ich missbilligend auf seinen Teller: Putensteak. Er hatte nämlich erklärt, man dürfe kein „rotes Fleisch”, also vom Schwein, Rind usw., essen, sondern nur helles Fleisch und Fisch. Ob er nicht weiß, wie Geflügel gehalten wird? Ob er ahnt, was dieses arme Tier gelitten hat, bevor es auf  seinem Teller gelandet ist?

Geflügel wird doch fast ausschließlich in Massentierhaltung gemästet, Putenhaltung soll ganz besonders schrecklich sein.

Ich versuche auch, gesund zu leben, aber ich kann mich selbst gar nicht so wichtig nehmen, dass ich bei jedem Bissen und jedem Schluck darauf achte, ob ich etwas sehr Nahrhaftes oder etwas weniger Gutes zu mir nehme, aber ich vermeide es, Fleisch aus Massentierhaltung zu essen.

Ich war froh, als mein Untersuchungstermin nahte – so ein toller Mann, zum Hinschmeißen, aber diese Predigten immer, das ist so anstrengend. Gut, dass er mein Handy nicht wahrgenommen hat, dann hätte ich ja auch wieder etwas zu hören bekommen – natürlich hat er in vielen Dingen recht, aber ich kann das alles einfach nicht so eng sehen. Ich möchte das Leben lockerer angehen…und er wird bestimmt ganz gesund sterben.

Die Untersuchung ist gut verlaufen. Ich bin zurück zur Pasewalker Straße und habe dort Stulle zum Autotausch getroffen. Er, Emmi und Hannah wollen über Ostern ins Sauerland fahren und da wird gern mein 6-Sterne-Auto ausgeliehen. Ich bin also mit seinem Wagen zurück nach Gumtow, froh über das Untersuchungsergebnis, aber traurig bei dem Gedanken an Mineralwasser und einen tollen Mann …

Andere Mütter sollen auch nette Söhne haben!

Macht´s gut, eure Renate – ach, und ein schönes Osterfest natürlich!

P.S. Seit dem 3. April ist der Storch im Nachbardorf Demerthin wieder da – er kommt jedes Jahr zu dieser Zeit,  richtet den Horst her und wartet auf sein Frauchen – so muss es sein!

 

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